199km – ein erster Rückblick

Die Idee zu diesem Post kam mir gestern, während meines ersten 90-Minuten-Laufs. Es regnete den ganzen Tag, ohne Pause, aber ich lief trotzdem. Nach Heidenfahrt, daran vorbei; für den Rückweg wählte ich eine waldige Strecke direkt am Rhein, was die zweite Hälfte des Laufs zu einer Art Trailrun machte. Unterwegs traf ich genau zwei Menschen. Eine sehr ernst dreinblickende Radfahrerin auf dem Hinweg, und an der Mole einen Mann, der mich anstrahlte, als herrschte der schönste Sonnenschein. Ich strahlte zurück.
Der Rückweg war anstrengend; ein Hindernislauf über Graskuppeln, an Pfützen vorbei, durch Pfützen hindurch. Wasser von oben, Wasser von unten, Stolperfallen, die gekonnt umsprungen werden mussten, Matsch überall. Ich merkte, wie ich langsam müde wurde und war glücklich, denn ich wusste, ich würde durchhalten. Und ich wusste, wenn die 90 Minuten geschafft wären, ich würde noch weiter laufen können. 

Hätte man mir das am 22. Juli gesagt, ich hätte bloß wohlwollend gelacht.

Lauf los!

Eine Minute laufen, eine Minute gehen. So hab ich wieder angefangen, wie Tausende Andere auch. Ich erinnere mich noch an das Hochgefühl, als ich nach diesem ersten “Lauf” nach Hause ging. Das möchte ich nie vergessen. Nie. Auch nicht die Scham, die ich fühlte, als ich in den ersten Wochen, für alle Spaziergänger deutlich, schon nach einer kurzen Strecke wieder gehen musste. Und nicht die aufgeregte Spannung, als der Plan das erste Mal fünf Minuten Laufen am Stück verlangte. Würde ich das schaffen? Nein, diese Zeit möchte ich nicht missen. 
Laufen macht den Kopf frei, sagen die Leute. Es stimmt. Nach einem Lauf erscheint die Welt immer ein bisschen besser, so, als hätte man Ärger und auch manche Sorgen einfach auf der Strecke gelassen. Das gilt für jeden Lauf. Die langen Läufe allerdings, die sind noch ein wenig anders. Die langen Läufe sind einfach nicht zu übertreffen. Die sind wirklich ein Geschenk. Und das Beste: Sie gehören tatsächlich zum Training. Das mag jetzt stupide klingen, aber für mich ist das erstaunlich. Im Krafttraining gibt es einfach nichts, was damit vergleichbar wäre, und ich komme nun mal aus dieser Ecke. Ich kann nicht anders, als staunen! Man stopft sich die Kopfhörer ins Ohr, startet die Liste seiner Lieblingssongs und läuft los, immer gemütlich, ohne Anstrengung. So gemütlich, dass man die Songs durchgehend mitsingen kann und sich einfach nur freut. Als ich den ersten langen Lauf hatte, war ich hinterher sogar unsicher, ob ich es richtig gemacht habe – weil es so wunderbar war. Ich bin und bleibe zwar ein Krafttrainingsfan – aber DAS sucht man da vergeblich. Phänomenal.

Nun habe ich das erste Mal (in meinem Leben) 12,5k zurückgelegt. Mein Jogmap-Kilometerstand zeigt mir, dass ich bis jetzt 199km zurückgelegt habe. Bis zum HM nächstes Jahr wird sich diese Zahl vervielfachen. Und es wird immer Momente geben, in denen ich an den Anfang denken werde. An die Beschwerlichkeit, die oft mein Begleiter war. Und ich möchte allen, die mit dem Gedanken spielen, mit dem Laufen zu beginnen, sagen:

Tu es. Heute. Und genieße jeden einzelnen Schritt.

 

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