55 Minuten – und ein neues Spielzeug!

Naja, eigentlich habe ich 56:32 dazu gebraucht. Mein heutiges Ziel war 7,5km in 55 Minuten laufen, was ich in bester Kenianervorlassertradition natürlich nicht geschafft habe. Aber das wundert mich auch nicht, denn es ist immer so: ein Training läuft phänomenal, das nächste ist grad nur so lala. Könnte ich Geld drauf wetten. Jedes Mal. Woran es liegen könnte, ahne ich schon: Permanente Steigerungen sind eben nicht das Gelbe vom Ei. Erholungswoche? Fehlanzeige. Aber wie gestalte ich als Beginner so eine Woche? Wie gestalte ich überhaupt mein Training besser? Und ist es wirklich so schlau, mein Training von 3-4 mal pro Woche auf 4-5 mal pro Woche zu steigern – ein Gedanke, der mir seit gestern Abend durch die Synapsen schnurbelt? Mein Hirn hat scheinbar sonst nicht viel zu tun. Besonders nicht, nachdem es eine Stunde lang mit Herrn Greifs verbalem Aufgepeitsche beglückt wurde.

Erfolgreiches Training hin oder her, dachte ich mir heute, eines steht doch ganz klar fest: Ich bin eindeutig nur ungenügend technisiert unterwegs. Ein Smartphone ist zwar was Feines. Zusammen mit Runtastic ist es sogar zum Laufen zu gebrauchen (und zum Musik hören und Emails checken und Fotos machen). Aber mich nervt dieses Taschengetrage und Bänderumgeschnalle tierisch. Also habe ich es heute tatsächlich getan und mir die erste GPS-Laufuhr meines ach! so jungen und gleichzeitig recht unkenianischen Lebens zugelegt. Und die besitze ich nun also. Heute war natürlich auch gleich Einweihung. Was soll ich sagen? Ich bin schon sehr zufrieden. Es ist zwar sehr verführerisch, quasi dauernd auf das Display zu schauen, aber wenn es sonst nichts ist …
Ich wollte erst die Garmin FR305. War ja klar. Die ist so retro, die wollte ich einfach haben. Also auf zu Ebay, wo ich vier Male in Folge überboten wurde. Dann musste ich ins Bett. Und wie es halt so ist, führte mich mein Weg nach der Arbeit auf direktem Weg zu Runner’s Point in Mainz, die bei uns ja Run² heißen, warum auch immer. Wahrscheinlich ein dramaturgischer Mehrwert, der mir als Otto N. verschlossen bleibt. Allerdings mag ich den Laden und die Menschen, die darin arbeiten, also bin ich hin. Langer Rede kurzer Sinn: Ich bin nun stolzer Besitzer der Garmin FR110. Aber nur, weil sie reduziert und damit nur 10 Euronen teurer war, als das kleinste Modell FR10, das ich eigentlich kaufen wollte. Dummerweise ist sie etwas Pink. An einer Seite. Aber der nette junge Mann, der sie mir aus dem Schrank holte, versprach hoch und heilig, keinem zu erzählen, dass ich eine pinkige Uhr besitze. Es sprach also nichts mehr dagegen. Gekauft.

So kam es, dass ich heute zum ersten Mal seit Jahren ohne Handy ausm Haus bin. Ohne Handy. Ich. Nur der Hausschlüssel, die Uhr und mein MP3-Player, den ich in den Hosenbund meiner Tight gesteckt habe. Funktioniert. Ach, ich hab ja was vergessen! Ich habe nicht nur zum ersten Mal mein Handy eiskalt zu Hause gelassen … ich trug auch zum ersten Mal in meinem Leben einen Herzfrequenzsensorumschnallmessgerät! Nun sind die Werte ja nicht wirklich aussagekräftig, wenn man seine HFmax nicht kennt (wie bei mir und 95% aller Läufer überhaupt der Fall), aber ich wollte es mal ausprobieren. Funzt. Werd ich aber das nächste Mal auch bei meinem Handy lassen, als Teil der Zubehörumschnallreduzierungsphase, in der ich mich gerade befinde.

Der Lauf selbst heute war sehr durchwachsen. Ich hatte mich für den Wald entschieden, weil ich ahnte, dass es schwer würde. Und so kam es ja dann auch. Im Wald konzentriert man sich auf alles Mögliche: den Untergrund, die Hügel, Wurzeln, Hunde. Da vergesse ich schon ab und zu, dass es gerade recht anstrengend ist. Auf der anderen Seite bremst der Wald immer auch ein wenig durch das permanente Auf und Ab und das regelmäßige War ich hier nicht eben grade?, aber das nehme ich an Tagen wie heute gerne in Kauf, wenn ich dafür durchlaufen kann. Und das konnte ich.

Allerdings sollte ich mir wirklich überlegen, ob eine Investition in Trailschuhe nicht angebracht wäre, denn lasst euch eins gesagt sein: Matsch + Zoot ≠ Grip.
Das weiß ich jetzt aus erster Hand.

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